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Fertigungsstücklisten

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In diesem Beitrag möchte ich den Grundsätzlichen Aufbau einer Fertigungsstückliste genauer betrachten, sodass verstanden wird, wie Stücklisten in Business Central funktionieren und für die Fertigung eingesetzt werden können.

Damit ein Artikel aus anderen Artikeln, z. B. Rohstoffen, produziert werden kann, ist eine Definition notwendig, die aufführt, aus welchen Rohstoffen der zu fertigende Artikel besteht. Die Fertigungsstückliste in Business Central dient hier als Rezept für einen neuen Artikel, da diese genau beschreiben kann, welche Rohstoffe für einen neuen Artikel zu verbrauchen sind. Zusammen mit dem Arbeitsplant bildet sie die Grundlage eines Fertigungsauftrags im ERP-System.

Eine Fertigungsstückliste ist eine zu definierende Liste im ERP-System, die hierarchisch alle für ein Produkt notwendigen Artikel aufzeigt. Dabei wird innerhalb der Liste zwischen Rohmaterial und Halbfertigprodukten unterschieden. Als Rohmaterial werden Artikel bezeichnet, die als Ganzes, also mit Lagerbestand zum Verbrauch durch Einkauf beschafft worden sind. Es sind also zu verbrauchende Güter, die für die Fertigung benötigt werden. Halbfertigprodukte hingegen bestehen selbst aus Rohmaterial, werden also ebenfalls durch eine eigenen Fertigung im ERP-System gefertigt, bevor sie weiter verbraucht werden können. Durch diese Möglichkeit der Abbildung innerhalb einer Fertigungsstückliste kann nicht nur eine einfache Definition der Verbrauchsgüter für eine Fertigung, sondern eine genaue Abbildung der einzelnen Fertigungsschritte über mehrere Fertigungsebenen erfolgen. Die Unterteilung dieser komplexen Struktur innerhalb einer Fertigungsstückliste wird mit der Hilfe verschiedener Ebenen innerhalb der Liste abgebildet. 

Nachfolgend soll anhand eines Schaubilds die Struktur der Ebenen anhand des Beispiels für ein Tourenrad aus dem Demo Mandant Cronus AG aufgezeigt werden. Die Ebene 0 beschreibt hierbei das Endprodukt, also das Tourenrad, das am Ende der Fertigungskette steht. Die hier aufgezeigte Struktur kann leicht im Demo Mandant nachvollzogen werden.

Beispiel Stücklistenebenen für das Tourenrad

In der obigen Abbildung wurde Beispielhaft aufgezeigt, wie das Ebennenkonzept der Fertigung in Business Central funktioniert. Die entsprechende Fertigungsstückliste für das Tourenrad enthält in diesem Beispiel alle Materialien, die für das Tourenrad notwendig sind. Die nachfolgende Fertigungsstückliste, in der alle Stücklisten des ERP-Systems aufgeführt werden ist leicht mit Hilfe der Suchfunktion oder über die Abteilungsstruktur unter Abteilungen/Produktion/Fertigungsstammdaten/Fertigungsstücklisten erreichbar.

Fertigungsstücklisten Übersicht
Fertigungsstückliste

Eine Fertigungsstückliste besteht aus Kopf- und Zeilenangaben. Die Kopfinformationen beschreiben dabei allgemeingültige Daten der Stückliste, mit dessen diese identifiziert wird. Die Zeilen beschreiben die zu verbrauchenden Komponenten, dir für einen Fertigungsartikel benötigt werden. Nachfolgend werden die Felder im Kopf einer Stückliste kurz erläutert:

  • Nr. beschreibt den Primärschlüssel, also die eindeutige Nummer der Stückliste. Diese wird oft identisch zum Fertigungsprodukt vergeben. Diese Nennung ist allerdings kein Muss und kann daher auch abweichend sein.
  • Beschreibung gibt eine kurze Beschreibung der Stückliste an.
  • Einheitencode beschreibt die Einheit, in der der Fertigungsartikel gefertigt wird.
  • Status kann drei Definitionen besitzen: Neu (Eine Bearbeitung ist Möglich), In Entwicklung ( Eine Bearbeitung ist möglich), Zertifiziert (Eine Stückliste ist aktiv in Verwendung. Eine Bearbeitung ist nicht mehr möglich, Abgelaufen (Eine Stückliste ist ungültig und wird daher nicht mehr verwendet.
  • Suchbegriff kann mit einem gewünschten Begriff gefüllt werden, der die Suche nach einer Liste erleichtern soll.
  • Versionsnummer zeigt die zum Arbeitsdatum gültige Versionsnummer einer Stückliste an. 
  • Aktive Version gibt die derzeit aktive Version der Stückliste an
  • Korrigiert am gibt das letzte Änderungsdatum der Stückliste an.

Wie oben beschrieben, geben die Zeilen einer Fertigungsstückliste die Komponenten an, die für einen Verbrauch benötigt werden. Nachfolgend werden die einzelnen Spalten der Liste genauer erläutert:

  • Art gibt die Art, also den Type an, der für eine Komponente der Liste Gültigkeit besitzt. Hierbei kann es insgesamt drei verschiedene Arten geben: Artikel (Beschreibt die Verwendung eines Artikels als Komponente), Fertigungsstückliste (lässt es zu, eine weitere Fertigungsstückliste zu wählen), Leer (Ermöglicht die Eingabe einer Kommentarzeile)
  • Nr. Verweist auf die gewählte Art. Bei Artikel auf eine entsprechende Artikelnummer, bei einer Phantomstückliste auf eine weitere Fertigungsstückliste.
  • Beschreibung gibt die Beschreibung der gewählten Art wider.
  • Komponentenmenge gibt die Menge der Komponente an, die als Verbrauchsmenge für die Fertigung benötigt wird.
  • Einheitencode beschreibt die Einheit der gewählten Verbrauchskomponente.
  • Ausschuss in % gibt einen fixen Ausschuss in % an. Diese Option erhöht den entsprechenden Bedarf des Artikels.
  • Verbindungscode erlaubt es, die Materialverwendung mit einem entsprechenden Arbeitsgang zu verknüpfen.
  • Position 1 Position 2 und Position 3 dienen als Platzhalter für interne Beschreibungen an der Komponente.
  • Vorlaufzeitverschiebung erlaubt eine Zeitangabe um die Beschaffungszeit eines Artikels entsprechend zu verlängern.
  • Startdatum gibt die Verwendung einer Komponente an (Optional)
  • Enddatum gibt an, ab wann eine Komponente nicht mehr zu verwenden ist (Optional)

Versionen der Fertigungsstückliste

Für eine neu angelegte Fertigungsstückliste können Versionen definiert werden. Die Versionen können sich inhaltlich unterscheiden. Es kann jedoch je gültiger Fertigungsstückliste immer nur eine einzige gültige Version geben. Die Versionierung ermöglich es, Stücklisten auch mit Hilfe der Kopier-Funktion leicht zu ändern um so z. B. einzelne Komponenten oder Mengen auszutauschen bzw. neu zu definieren. Ein klassischer Fall kann auch die Nutzung von Saisonware sein, die es nur in einer bestimmten Periode als Rohstoffartikel auf dem Markt gibt.
Eine neue Stücklistenversion beinhaltet nicht nur einen eindeutigen Code, sondern auch ein gültiges Startdatum. Dieses definiert den automatischen Start einer neuen Version.
Um eine neue Version einer Fertigungsstückliste anzulegen, ist aus einer Stückliste die Aktion Versionen zu wählen. Diese führt in die Übersicht aller aktuell angelegten Versionen der ausgewählten Stückliste. Mit Hilfe der Schaltfläche Neu kann so eine neue Version mit abweichendem Inhalt angelegt werden. Um vorhandene Komponenten leicht als Inhalt in die neue Version zu übernehmen, kann an dieser Stelle die Aktion Stückliste kopieren im Menüband ausgewählt werden. Mit Hilfe dieser Funktion kann so eine beliebige Stückliste für die neue Version als Kopie herangezogen werden.
Eine neue Version muss in den Status Zertifiziert überführt werden, wenn diese eine Gültigkeit angeben soll. Das betrifft auch Stücklisten, deren Startdatum noch in der Zukunft stehen. Nur eine Zertifizierte Version wird ab definierten Datum vom ERP-System als gültig anerkannt und kann somit genutzt werden.

 

Kopie einer Fertigungsstückliste

Mit der Erstellung einer neuen Fertigungsstückliste oder aber einer neuen Version dessen, kann mit Hilfe der Funktion Stückliste kopieren auf die Grundlage schon vorhandener Stücklisten im ERP-System zurückgegriffen werden. Dies ist vor allem dann Sinnvoll, wenn ähnliche Produkte gefertigt oder verschiedene Versionen einer Stückliste verwendet werden sollen.

Die Verwendung

Die Schaltfläche Verwendung im Menüband der Fertigungsstückliste und auch in dessen Zeilen gibt an, welche Artikel auf dessen Grundlage gefertigt werden. Hier ist also sichtbar, in welchen Artikeln eine Stückliste bzw. in welchen Stücklisten welche Komponenten verwendet werden.

Die Fertigungsstückliste (Phantomstückliste)

Eine Fertigungsstückliste als Art in der Zeile einer fertigungsstückliste (ehemals Phantomstückliste) beschreibt die Fertigung von sogenannten Halbfabrikaten, die nicht im Lagerbestand auftauchen sollen. Das bedeutet, dass eine Phantomstückliste, die Inhalt einer Fertigungsstückliste sein kann, einen Fertigungsschritt beschreibt, hinter dem andere Komponenten verbraucht werden. Das gefertigte Produkt wird hier allerdings nicht als Erzeugnis oder Zwischenschritt in den Lagerbestand überführt um dort als Komponente verbraucht zu werden, sondern fließt direkt in die Fertigung der jeweiligen Stückliste mit ein.

Bildquellen

  • Video – Fertigungsstückliste: Bildrechte beim Autor

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